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Montag, 14. September 2026

Ian McEwan: Was wir wissen können ★★★★★

Ian McEwan: Was wir wissen können   ★★★★★


Cover nicht verfügbar

Ich hab vorhin noch einmal nachgezählt. Inzwischen hab ich 16 Bücher von Ian McEwan gelesen, 11 davon waren (0 bis 5 Sterne nach meinen Kriterien) 4- bzw. 5-Sterner. Anders formuliert: Er kann's wirklich!

Dieser Roman reiht sich nahtlos unter die anderen 5-Sterner wie "Abbitte", "Maschinen wie ich" oder "Liebeswahn" ein.

Zum Inhalt werde ich diesmal nicht sehr viel schreiben; man könnte da leicht zu verräterisch werden!

Kurz:
Im Oktober 2014 findet in England ein legendäres Abendessen statt, zu dem 8 Freunde eingeladen sind. Francis Blundy, ein gefeierter Lyriker, widmet seiner Frau Vivien einen liebevollen Sonettenkranz und trägt dieses Langgedicht während dieses Abendessens vor. Francis hat sich selbst übertroffen. Dieses Gedicht ist sein bestes Werk, da sind sich alle Anwesenden sicher. Ein Meisterwerk eben.

Das Gedicht wurde allerdings nie veröffentlicht, aber einige Zeit später hat eine Journalistin, die bei diesem Abendessen dabei war, einen begeisterten Artikel in einer Zeitung untergebracht. Dieser Artikel und ein paar Tagebucheintragungen sind das einzige, das an dieses Gedicht erinnert. Der Sonettenkranz selbst und vor allem auch sein Inhalt gelten als verschollen.

Mehr als 100 Jahre später startet der Literaturwissenschaftler Tom noch einmal einen Versuch, dieses Gedicht aufzuspüren.


Dienstag, 30. Dezember 2025

Javier Marías: Tomás Nevinson ★★★★★

Javier Marías: Tomás Nevinson  ★★★★★

Cover: S. FISCHER

Die meisten würden wohl sagen, dieses Buch ist eine Fortsetzung seines großartigen Romans "Berta Isla". Javier Marías selbst sieht es nicht als direkte Fortsetzung, sondern eher als "Partnerbuch".

Wie auch immer. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Denn die wesentlichen handelnden Personen sind hier die gleichen wie schon bei "Berta Isla" und die Handlung setzt zwei Jahre nach dem Ende des ersten Buches ein.

Tomás ist nach seinen Geheimdienst-Missionen wieder in Madrid, wird von Frau und Kindern so recht und schlecht geduldet und er geht wieder seiner Arbeit in der britischen Botschaft in Madrid nach.

Doch zu Beginn des Jahres 1997 holt ihn seine Vergangenheit ein. Er bekommt in Madrid Besuch von Bertram Tupra, seinem Führungsoffizier des britischen Geheimdienstes, und bekommt einen neuen Auftrag vorgeschlagen, für den er wie geschaffen wäre.

Nach einigem Zögern nimmt er doch an. Er soll eine Nordirin identifizieren, die für die verheerenden Anschläge der ETA 1987 in Barcelona und Saragossa verantwortlich sein soll. Und wenn er sie gefunden hat, soll er sie auch gleich eliminieren.


Montag, 30. Juni 2025

Daniel Kehlmann: Lichtspiel ★★★★★

Daniel Kehlmann: Lichtspiel  ★★★★★


Cover: rowohlt

Georg Wilhelm Pabst (meist G. W. Pabst geschrieben) war ein österreichischer Filmregisseur, der zur Stummfilmzeit eine echte Größe war; seine neuen Techniken und Sichtweisen waren teilweise revolutionär und stilbildend. 

Ein Abstecher nach Hollywood lag auf der Hand, endete aber in einem Desaster. Frustriert kehrte er nach Europa zurück. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges saß er im Deutschen Reich fest, er konnte es nicht mehr verlassen.

Notgedrungen musste er bei Propagandaminister Goebbels zu Kreuze kriechen, damit er, der "rote Pabst", wenigstens schöne, gute, deutsche Filme drehen durfte.

Daniel Kehlmann schrieb über ihn  einen sehr einfühlsamen Roman, in dem er Geschichtliches mit Fiktivem ergänzte und mischte. Packend und lebendig geschrieben nimmt uns das Buch mit und lässt uns mit GWP mitleiden. Denn das war es: ein Leidensweg, den er auch nach dem Krieg nicht mehr wirklich verlassen konnte.


Samstag, 22. März 2025

Johanna Sebauer: Nincshof ★★★★★

 Johanna Sebauer: Nincshof  ★★★★★


Cover: DUMONT

Tja früher! Früher war alles besser!

Früher, als in ganz Kakanien niemand etwas von Nincshof wusste. Der Name allein sagt ja schon alles: Er kommt aus dem Ungarischen, wo "nincs" (gesprochen "nintsch") soviel bedeutet wie "gibt's nicht". Früher, da stand Nincshof mitten im Sumpf östlich des Neusiedlersees, von Schilf meterhoch überwuchert. 

Aber dann, so Anfang des 20. Jhdts, wurde der Sumpf trockengelegt und das Dorf kam zum Vorschein. Damit war dann aber Schluss mit der Ruhe. Schade.

Darum möchten ein paar Einwohner von Nincshof, die noch zarte Erinnerungen an diese Zeit haben (und sei es nur aus Erzählungen), dass das Dorf wieder aus dem Gedächtnis der Umgebung verschwindet. Konsequenterweise nennen sie sich daher "Oblivisten" (von lat. "oblivio" – das Vergessen). 

Sie setzen schon allerlei Maßnahmen, aber sie stehen vor gewaltigen Hindernissen. Da wären etwa die vielen radfahrenden Touristen; und vor allem dieses vor zwei Jahren zugezogene Paar: Sie eine Filmemacherin, er ein spinneter Ziegenzüchter. Wenn sie einen Film über Nincshof dreht und er groß in den Tourismus einsteigt, kannst du das mit dem Vergessen gleich wieder vergessen!

All das und noch viel mehr verpackt Johanna Sebauer in ihren Erstlingsroman. Diese Geschichte ist so voll mit originellen Ideen und so witzig und locker-flockig geschrieben, dass das Lesen ein echtes Vergnügen war!


Mittwoch, 26. Februar 2025

Mircea Cărtărescu: Theodoros ★★★★★

Mircea Cărtărescu: Theodoros  ★★★★★


Cover: Zolnay

Man nehme ein paar historische Persönlichkeiten, die zur gleichen Zeit aktiv waren:

  • Einen Kaiser von Äthiopien
  • Einen Kaiser der USA (gab es wirklich!)
  • Eine britische Königin
  • Einen britischen Heerführer

Dazu ein paar Erzengel und zahlreiche weitere Personen, die der blühenden Fantasie von Mircea Cărtărescu entsprungen sind. Diese Zutaten kommen alle in einen Topf und werden mit einer Unmenge an Text vermischt und gut verrührt bis eine Masse von 670 Seiten entsteht. Diesen Text gut mit barocker Schreibweise garnieren und in lange, lange und mehrfach verschachtelte Sätze gießen, sodass der Leser am Ende so eines Satzes schon nicht mehr weiß, wie er begonnen hat.

Wer sich von dieser Beschreibung nicht abschrecken lässt, wird mit einem Lesevergnügen der besonderen Art belohnt!


Donnerstag, 6. Juni 2024

Jarka Kubsova: Marschlande ★★★★★

Jarka Kubsova: Marschlande  ★★★★★


Cover: S. FISCHER

Britta zieht mit ihrem Mann und den beiden Kindern aus der Stadt Hamburg in deren Umland. Genauer in den Südosten, dort wo sich die Elbe in viele viele Nebenarme aufspaltet. Seit Jahrhunderten sichern Deiche dieses wertvolle und äußerst fruchtbare Land (die titelgebenden "Marschlande") vor Fluten der Nordsee.

Bei einem Spaziergang stößt Britta auf ein Straßenschild mit der Aufschrift "Abelke Bleken-Ring". Sie wird neugierig und beginnt zu stöbern.

Die Autorin Jarka Kubsova lässt Britta immer tiefer in die Geschichte dieser Abelke Bleken eintauchen. Sie muss dabei erfahren, wie diese starke, selbstständige Frau Ende des 16. Jhdts.  erst um ihren Hof gebracht, dann gebrochen und zuletzt – wortwörtlich – zerbrochen wird.


Samstag, 17. Februar 2024

Lea Ypi: Frei ★★★★★

Lea Ypi: Frei  ★★★★★

Cover: Suhrkamp

Es kommt nicht oft vor, dass ich für ein Buch mehr als fünf Sterne vergeben möchte. Das hier ist so eins!

Eines der besten Bücher der letzten Monate und definitiv die beste Autobiografie, die ich je in der Hand hatte!

Lea Ypi (*1979) ist in Albanien aufgewachsen. Das war noch die Zeit, als das Land völlig abgeschottet vom Rest der Welt war: Vom bösen kapitalistischen Westen natürlich, später sogar von Jugoslawien, der Sowjetunion und China. 

In der Schule musste sie jedes Jahr erklären, dass die Namensgleichheit mit dem faschistischen Ministerpräsidenten Xhafer Ypi, der seinerzeit Mussolini und die Faschisten Albanien übernehmen ließ, rein zufällig war und er mit ihrer Familie rein gar nichts zu tun hätte.

Andererseits gehörte ihre Familie nicht gerade zu den glühenden Verehrern von Onkel Enver Hoxha (so wurde er allgemein genannt); wenn es in der Familie um Vergangenheit und Verwandtschaft ging, wurde sehr oft geheimnisvoll herumgedruckst. 

Als dann 1990 die Wende in Albanien ankam, wurde sie endlich aufgeklärt.


Samstag, 10. Februar 2024

Sebastian Barry: Tage ohne Ende ★★★★★

Sebastian Barry: Tage ohne Ende  ★★★★★

Cover: Steidl Verlag

In den Western-Filmen kämpfen Cowboys und Indianer; meist gegeneinander, oft untereinander. Aber sie behandeln in den meisten Fällen nur Einzelereignisse. Nur wenige – und gute – Ausnahmen beschäftigen sich mit dem Thema "Landnahme der Weißen im Westen" und allen Problemen, die damit in Zusammenhang stehen. Einer, der sich damit eingehender auseinander setzte, war "Der mit dem Wolf tanzt". Super Film, nur leider viel zu lang.

In diesem Buch hier von Sebastian Barry wird hingegen ganz genau hingeschaut. Der Autor lässt seine beiden Protagonisten die Zeit durchleben, die von den Indianerkriegen über den USA-Bürgerkrieg bis in die Nachkriegszeit reicht und sich etwa 1850 bis 1870 erstreckt.

Die Sprache und Erzählweise sind dabei so mitreißend, dass man das Buch kaum zur Seite legen kann: Mittendrin, statt nur dabei!


Montag, 1. November 2021

Javier Marías: Berta Isla ★★★★★

 Javier Marías: Berta Isla  ★★★★★

Cover: Fischer

Der große Sprachmeister und -akrobat Javier Marías hat wieder zugeschlagen! Punkto Sprache gleich in mehrfacher Hinsicht. Erstens geht es um Tomás, der zweisprachig aufwächst und in beiden Sprachen perfekt ist. Seine Frau Berta lehrt ebenfalls Englisch an der Madrider Uni. Und dann natürlich das Sprachkunstwerk des Autors selbst. 

Tom und Berta kennen einander von Jugend an und es ist klar, dass sie auch später ihren Lebensweg gemeinsam gehen werden.

Aber da passiert etwas Unerwartetes in Oxford, wo Tom studiert. Es wirft ihn und Berta komplett aus der Bahn, beider Leben gerät aus den Fugen.

Freitag, 22. Oktober 2021

Theater in der Josefstadt: Die Stadt der Blinden

Der Roman "Die Stadt der Blinden" ist wahrscheinlich einer der bekanntesten des portugiesischen Nobelpreisträgers José Saramago. Ich hab das Buch vor etlichen Jahren gelesen und war davon so angetan, dass ich in weiterer Folge noch zahlreiche andere seiner Bücher las.

Als ich davon hörte, dass die Josefstadt eine dramatisierte Version dieses Werkes auf die Bühne bringen würde, war sofort klar, dass ich das sehen musste. Umso mehr, als es in der Presse eine sehr zustimmende Besprechung gab.

Am 2. Oktober waren wir also in der Josefstadt.

Die Ampel blinkt bereits lange vor der Vorstellung


Freitag, 29. Januar 2021

Hans Rosling: Factfulness ★★★★★

Hans Rosling gemeinsam mit Anna Rosling Rönnlund und Ola Rosling

Hans Rosling: Factfulness  ★★★★★


Cover: Ullstein


Nach "Die Ordnung der Welt" wieder einmal ein Buch, das meinen Horizont erweitert hat wie sonst kaum eines davor. Auch hier würde ich gerne wieder sechs/sieben/acht Sterne vergeben, wenn meine Skala das zulassen würde.

Hans Rosling (leider 2017 verstorben) gelingt es mit seinem ausgezeichneten didaktischen Talent die Sicht auf die Welt wieder gerade zu rücken. Bei unzähligen Vorträgen in der ganzen Welt und vor unterschiedlichstem Publikum (von Studenten bis zur UNO und den Mächtigen der Welt in Davos) musste er immer wieder das Gleiche feststellen: Der Großteil des Publikums hängt veralteten Vorstellungen der Welt an. Er stellt dabei die immer gleichen 12 Fragen, auf die er immer die gleichen falschen (weil alten) Antworten bekommt.

Anhand dieser 12 Fragen ist nun dieses Buch aufgebaut, indem er in jedem Kapitel auf eine dieser Fragen eingeht. Wie er das macht und was er da bringt, hat mich echt umgehauen! Ich hoffe, es gelingt mir, meine Begeisterung dafür in diesem Post rüberzubringen!

Sonntag, 15. November 2020

Andreas Maier: Die Straße ★★★★★

 Andreas Maier: Die Straße ★★★★★

(Band 3 der Autobiografie)
 
 
Cover: Suhrkamp

 
Das Buch ist im Zeitraum der ersten Hälfte der 1970er-Jahre angesiedelt. Für den "Problem-Andreas" des vorigen Buches ist das die Zeit des Erwachens, speziell des sexuellen. Sein eigenes und vor allem das seiner um drei Jahre älteren Schwester.

In diesem Buch gibt es einerseits urkomische Situationen, die Andreas Maier sehr genau beobachtet hat und die er auch ebenso genau auf den Punkt bringt. Andererseits gibt es auch sehr dunkle Abschnitte, in denen er von der alltäglichen Pädophilie der Väter und Mütter der Barbara-Siedlung in Friedberg berichtet. Genauso wie von klarem Kindesmissbrauch, der vor allem in den "Hexenhäusern" der Altstadt stattfindet.

Donnerstag, 9. April 2020

Eleanor Catton: Die Gestirne ★★★★★

Eleanor Catton: Die Gestirne 


Cover: btb

Dieses Buch spaltet die lesende Gemeinde. Egal, auf welcher Bücher-Website man Rezensionen und Meinungen liest, sie lassen sich meist klar einteilen in "langweilig, langatmig, altertümlicher Stil, schade um die Zeit,.. " und in "großartiges Buch; ja, zugegeben, 1000 Seiten sind viel, aber ein so komplexer Sachverhalt braucht halt seine Zeit; wunderbar ge-und beschrieben; der Schreibstil passt genau zu der Zeit,..."

Ich hab mich durch diese mehr als 1000 Seiten gekämpft, wobei Kampf nicht der richtige Ausdruck ist, denn ich habe diesen Schmöker mit großem Genuss und Vergnügen gelesen!

Ich bekenne mich also zum zweiten Lager und fand dieses Buch ganz großartig. Ein dickes Lob an die noch sehr junge Autorin Eleanor Catton (sie bekam für diesen Roman mit 28 Jahren den Booker Prize!) und ihre Übersetzerin; einen derartigen Flohzirkus an Personen, Beziehungen und Handlungen muss man erst einmal bändigen!


Samstag, 25. Januar 2020

Fernando Aramburu: Patria ★★★★★

Fernando Aramburu: Patria 


Cover: rowohlt

Wow! Was für ein Start in das neue Lesejahr! So könnte es ruhig weitergehen, wenn's nach mir ginge!

Mit starker Hand zeichnet Fernando Aramburu die Situation im Baskenland von den 1970er-Jahren bis heute nach. Damals hielt die ETA das Land mit seinen Terroraktionen in Atem. Opferbilanz: 850 Tote. Das Buch ist aber keine nüchterne Dokumentation, sondern ein Roman. So kommen nicht nur Täter und Angehörige von Opfern vor, sondern er behandelt auch die sozialen Auswirkungen und beschreibt den Alltag im Baskenland dieser Zeit.

Konkret wird die Geschichte zweier Familien in einem kleinen (fiktiven) Dorf nahe San Sebastián erzählt. Der eine Familienvater wird eines Tages von einem ETA-Kommando erschossen und es ist klar, dass der eine Sohn der anderen Familie zumindest dabei war. Aber hat er auch geschossen? Das ist die Frage, um die sich alles dreht in diesem Buch.

Donnerstag, 7. November 2019

Daniel Kehlmann: Tyll ★★★★★

Daniel Kehlmann: Tyll 


Cover: rowohlt

Schon in seinem Roman "Die Vermessung der Welt" gelang Daniel Kehlmann eine gelungene Mischung aus historischen Fakten und Fiktion. Hier beim Tyll setzt er meiner Meinung nach noch eins drauf, sodass ein wirklich außergewöhnlich guter historischer Roman entstand!

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Jón Kalman Stefánsson: Das Herz des Menschen ★★★★★

Jón Kalman Stefánsson: Das Herz des Menschen 


Cover: Piper

Der zweite Teil der Trilogie ("Der Schmerz der Engel") endet gar nicht gut. Der Junge, der den Postboten durch Schnee und Sturm begleitet, reitet unfreiwillig auf einem Schlitten den Berg hinunter. Steuern kann er bei dieser Fahrt nichts mehr, er ist dem Schlitten einfach ausgeliefert. Als er schon meint, den Klippenrand überfahren zu haben und schon mitten im Absturz zu sein, schlägt er irgendwo hart auf; sicherlich auf einem vorspringenden Felsen. Es ist dunkel.

Der dritte Band (dieses Buch) schließt unmittelbar hier an, genauso gut hätte auch das zweite Buch einfach fortgesetzt werden können. Wie man sich leicht vorstellen kann, war der Aufprall dann doch nicht auf einen Felsen, sonst würde die Geschichte des Jungen ja nicht weiter gehen.

Dienstag, 28. August 2018

Gerd Koenen: Die Farbe Rot ★★★★★

Gerd Koenen: Die Farbe Rot 


Cover: C.H.Beck



Als Gerd Koenen sein Buch 2017 fertig geschrieben hatte, musste er bereits gewusst haben, dass es der Andreas Hofer 2018 lesen und sich daran beinahe drei Monate abmühen würde. (So lange habe ich noch selten für ein Buch gebraucht, selbst "Die Ordnung der Welt" schaffte ich in wesentlich kürzerer Zeit.)  Er schreibt nämlich in seinem Nachwort:

Dieses Buch folgt dem Modus eines knappen analytischen Erzählens, was jeden einzelnen Themenkomplex betrifft – und ist dennoch zu einem epischen Format angeschwollen, dem vieles, auch Substantielles geopfert werden musste. Es fordert seinen Leserinnen und Lesern einiges an Ausdauer und Interesse ab, versucht aber, in seiner langen, tastenden Argumentation eine mittlere Linie der Komplexität und eine erzählerische Spannung zu halten, die es über diese weite Strecke trägt. [Anm: Hervorhebungen von mir]

Treffender kann man dieses Buch kaum beschreiben.

Montag, 4. Juni 2018

Swetlana Alexijewitsch: Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft. ★★★★★

Swetlana Alexijewitsch: Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft 


Kein Cover verfügbar
Das Buch dürfte im Moment nur antiquarisch verfügbar sein, selbst im Verlag (PIPER) ist es nicht zu finden

Im März 2017 war die Autorin Gast bei der "Literatur im Nebel" in Heidenreichstein.
Dabei gab es auch die Gelegenheit, Bücher signieren zu lassen.

Schweden schlug, glaube ich, zuerst Alarm, dann in kurzer Folge auch weitere Staaten im Westen Europas, auch Österreich war einigermaßen stark betroffen. Allen fiel auf, dass ziemlich viel Radioaktivität in der Luft lag. Als man die aktuellen Windverhältnisse berücksichtigte, war schnell klar, dass es irgendwo im Ostblock (ja, 1986 gab es noch den Eisernen Vorhang) einen gröberen Zwischenfall gegeben haben muss. 

Von der Sowjetunion hatte man allerdings noch nichts gehört.

Was sich damals an diesem 26. April 1986 in Tschernobyl abgespielt hatte und wie es sich abgespielt hatte, wollte Swetlana Alexijewitsch (Literaturnobelpreis 2015) aus erster Hand erfahren. Sie befragte daher vor allem Leute, die damals dort gewohnt hatten: wie sie diese Katastrophe erlebt hatten, wie sie informiert wurden, wie es für sie danach weiter ging. Und sie interviewte die sogenannten "Liquidatoren" - bzw. deren überlebende Angehörige. Denn diese Liquidatoren waren die Helfer, die ab dem Tag danach wirklich auf dem Dach der Reaktorruine standen und ungeheuren Dosen ausgesetzt waren. Und die vom weiteren Leben nicht mehr viel zu erwarten hatten.

Aus diesen vielen Interviews entstand ein außergewöhnliches, aufwühlendes, erschütterndes Buch, das einen einfach nicht kalt lässt. Man mag es kaum glauben, was die Leute da so erzählen.

Donnerstag, 26. April 2018

Jón Kalman Stefánsson: Himmel und Hölle ★★★★★

Jón Kalman Stefánsson: Himmel und Hölle 


Quelle: Piper

Ich hatte mich also nicht geirrt, ich habe wirklich einen neuen Autor für mich entdeckt! In relativ einfachen Sätzen gelingt es Jón Kalman Stefansson, ein dichtes Stimmungsbild von Island und seinen Bewohnern hervorzurufen.

Dienstag, 16. Mai 2017

Javier Marías: So fängt das Schlimme an ★★★★★

Javier Marías: So fängt das Schlimme an 


Cover: S. Fischer


Er ist schon wirklich ein Meister seines Faches, dieser Javier Marías! 640 Seiten Spannung aufrecht zu erhalten, ohne dabei auf Mörder oder Explosionen zu setzen, muss ihm erst einmal jemand nachmachen! Er hält einen diese 640 Seiten locker bei der Stange, man kann dieses Buch nicht weglegen!

Hier gelingt es ihm, indem er die Verhältnisse in Spanien kurz nach Francos Tod mit einer unglücklichen Ehe verquickt: Wie geht eine Gesellschaft mit sich um, in der jeder vom anderen weiß, auf welcher Seite er in der Franco-Diktatur stand? Warum behandelt Eduardo seine Frau Beatriz derart schlecht, geradezu ekelhaft? Was ist da vorgefallen?

[Update 2017-05-23: Artikel der ARD zum Verkauf von Babys in der Franco-Zeit ergänzt]