Montag, 18. April 2022

Vanessa Springora: Die Einwilligung ★★★★☆

Vanessa Springora: Die Einwilligung   ★★★★☆


Cover: Karl Blessing Verlag


Die MeToo-Bewegung war bereits seit Monaten im Gang, als Vanessa Springora mit ihrem Buch Anfang 2020 noch eins draufsetzte.

Denn ihre Geschichte ist nicht eine einer Erwachsenen, sondern die einer damals Minderjährigen.

Jetzt kann man die Frage stellen, inwieweit eine 14-Jährige überhaupt überblicken kann, auf was sie sich da einlässt, wenn sie eine Beziehung zu einem Mann eingeht, der 36 Jahre älter ist als sie. Und ob man dieses Hineinrutschen in diese Beziehung als "Einwilligung" bezeichnen kann. Das wäre nämlich die eine Bedeutung dieses Wortes.

Aber viel schlimmer ist die zweite Bedeutung dieses Wortes. Nämlich die Einwilligung zu dieser Beziehung durch ihre unmittelbare Umgebung – inklusive ihrer Mutter. Noch dazu zu einem Mann, von dem alle wussten, dass er es gerne mit Minderjährigen hält.

Samstag, 9. April 2022

Ian McEwan: Maschinen wie ich ★★★★☆

Ian McEwan: Maschinen wie ich  ★★★★☆


Kein Cover verfügbar


Charlie ist völlig abgebrannt, pleite. Er kann sich gerade so über Wasser halten und im Erdgeschoß eines Hauses wohnen, in dessen erstem Stock die Studentin Miranda lebt. Klar, dass sich im Laufe der Zeit zwischen den beiden was entwickeln wird.

Allerdings kommt plötzlich ein Dritter ins Spiel.

Von der Erbschaft seiner Mutter kauft Charlie sich einen voll entwickelten, mit Emotionen ausgestatteten Androiden; zu diesem Zeitpunkt sind gerade einmal 25 Stück weltweit verkauft worden – zu einem horrenden Preis. Diese 13 Adams und 12 Eves sind aber auch wirklich gut gelungen! Sehen täuschend echt aus, bewegen sich ganz natürlich und entwickeln mit der Zeit ein Bewusstsein und einen Charakter.

Man kann in der Anfangsphase anhand von zig Parametern einstellen, welchen Charakter so ein Androide annehmen soll. Charlie beantwortet bei seinem Adam nur jede zweite Frage, die andere Hälfte der Fragen zu beantworten, lädt er Miranda ein. Adam wird also zu ihrem gemeinsamen Androiden. Miranda hat die Antworten tendenziell so gesetzt, dass Adam sich in sie verlieben muss.

Und so hat Charlie plötzlich einen ernstzunehmenden Rivalen im eigenen Haus!


Donnerstag, 31. März 2022

Ballonfahrt in der Oststeiermark

Vergangenen Herbst waren wir schon knapp dran. Wir hatten ein Hotel, wir hatten eine Ballonfahrt – nur Beides leider um eine Woche versetzt und nicht gleichzeitig. Uns war aber partout nach Kurzurlaub und nahmen deshalb die Hotelreservierung trotzdem wahr. Der Ballon musste noch warten. 

Aber Mitte März war es dann soweit. Im Ballonhotel Thaller hatten wir diesmal alles aus einer Hand und das Wetter spielte auch noch mit. Es war gut, dass wir ein längeres Wochenende dort blieben, denn prompt musste die bereits geplante Ballonfahrt von Donnerstag auf Freitag verschoben werden. Am Donnerstag wäre es zu windig gewesen. 

Für Freitag 7:00 Uhr Früh waren wir zur Startwiese (gleich beim Hotel) bestellt. Dort sollte also unser Abenteuer beginnen. 


Samstag, 12. Februar 2022

Jón Kalman Stefánsson: Ástas Geschichte ★★★★☆

Jón Kalman Stefánsson: Ástas Geschichte  ★★★★☆


Cover: Piper

In seinen Romanen "Fische haben keine Beine" und "Etwas von der Größe des Universums" bezeichnet der Autor Aris Mutter als "das wilde Fohlen"; und meint damit eine selbstbewusste Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht und die in Island zur Zeit, in der diese Romane spielen, einfach außergewöhnlich und bis dato unbekannt waren.

In diesem Roman stellt Jón Kalman Stefánsson gleich zwei solche wilde Fohlen vor: Helga und Asta, Mutter und Tochter. Und wie er das sprachlich wieder hinbekommt ist schon ganz große Klasse!


Donnerstag, 27. Januar 2022

Clemens J. Setz: Die Bienen und das Unsichtbare ★★★★☆

Clemens J. Setz: Die Bienen und das Unsichtbare  ★★★★☆


Cover: Suhrkamp

Wo soll ich eigentlich anfangen? Das Buch ist so voller Inhalt!

Naja, vielleicht mit dem Titel. Der ist vollkommen nichtssagend und irreführend; gleiches gilt für das Coverfoto. Wenn man nur den Titel des Buches kennt, kommt man nie im Leben drauf, worum es darin geht.

Der Grazer Autor Clemens J. Setz (Hut ab! Büchnerpreisträger 2021, und das im zarten Alter von 39!) behandelt darin Plansprachen; also keine gewachsenen Sprachen, sondern solche, die von Menschen erfunden, also geplant, wurden. Und da gibt es gar nicht so wenige! Einige bekanntere Beispiele wären etwa Volapük und Esperanto. Clemens J. Setz hat 6 (!) Jahre Arbeit in dieses Buch investiert! Herausgekommen ist ein wirklich umfassendes, sehr liebevolles und stellenweise witziges Werk zu diesem Thema! Neben Plansprachen widmet der sich aber auch noch anderen "Sprachen" wie etwa Glossolalie oder Grammelot. Mehr dazu folgt gleich; zu Gebärdensprache, Grammelot und Glossolalie hab ich auch Videos eingebettet!


Montag, 24. Januar 2022

Egyd Gstättner: Klagenfurt ★★★★☆

 Egyd Gstättner: Klagenfurt  ★★★★☆



Kein Cover verfügbar


Ich glaube, ich muss Abbitte leisten.

Vor mehr als 40 Jahren besuchten wir zum ersten Mal Klagenfurt; und unser Eindruck war – wie soll ich sagen – nicht gerade positiv. Die Freunde Klagenfurts mögen uns verzeihen, aber unsere Assoziationen waren eher: Ödnis, Provinznest, tote Hose, im Vergleich dazu ist ja Krähwinkel eine Metropole – so was in der Art. Deshalb war dieser erste Besuch bis jetzt auch unser letzter.

Aber Egyd Gstättner hat's wieder gutgemacht! In seinem Stadtführer präsentiert er im Zuge zweier Spaziergänge alles, was Klagenfurt zu bieten hat. Und das ist gar nicht so wenig. Als gebürtiger Klagenfurter, der auch immer noch in dieser Stadt lebt, hat er natürlich zu jedem Haus, zu jeder Gedenktafel, zu jedem Baum eine Geschichte parat. 

Und diese Geschichten bringt er so informativ und witzig, dass ich einen weiteren Besuch wohl ins Auge fassen werde.


Dienstag, 11. Januar 2022

Ismail Kadare: Geboren aus Stein ★★★★☆

Ismail Kadare: Geboren aus Stein  ★★★★☆


Cover: Fischer

Innerhalb kürzester Zeit hab ich jetzt drei verschiedene, mir bis dahin unbekannte, Kulturkreise kennengelernt. Nach Kenia und kanadischen First Nations nun also Albanien. Ist von uns nicht gar so weit entfernt, dennoch völlig unbekannt. Bei uns gilt es als das Land der wilden Skipetaren, bei denen Familienclans seit Jahrhunderten in Blutfehde liegen und bei denen Frauen eine männliche Identität annehmen, um geschäftsfähig oder Familienoberhaupt sein zu können.

Höchste Zeit also, etwas Licht ins Dunkel zu bringen, und das möglichst durch einen Einheimischen. Ich hab keine Ahnung mehr wie, aber irgendwie bin ich dann doch auf Ismail Kadare gestoßen. Geboren 1936 hat er inzwischen zahlreiche Romane veröffentlicht, für die er auch schon vielfach ausgezeichnet wurde. In mehr als 30 Sprachen übersetzt gilt er seit Jahren als ewiger Anwärter auf den Literaturnobelpreis.

All das wusste ich bis vor wenigen Tagen noch nicht. Aber besser spät als nie. Denn mit diesen autobiografischen Schriften gelingt es ihm ganz ausgezeichnet und auf humorvolle Weise, uns die albanische Seele näher zu bringen!