Donnerstag, 31. März 2022

Ballonfahrt in der Oststeiermark

Vergangenen Herbst waren wir schon knapp dran. Wir hatten ein Hotel, wir hatten eine Ballonfahrt – nur Beides leider um eine Woche versetzt und nicht gleichzeitig. Uns war aber partout nach Kurzurlaub und nahmen deshalb die Hotelreservierung trotzdem wahr. Der Ballon musste noch warten. 

Aber Mitte März war es dann soweit. Im Ballonhotel Thaller hatten wir diesmal alles aus einer Hand und das Wetter spielte auch noch mit. Es war gut, dass wir ein längeres Wochenende dort blieben, denn prompt musste die bereits geplante Ballonfahrt von Donnerstag auf Freitag verschoben werden. Am Donnerstag wäre es zu windig gewesen. 

Für Freitag 7:00 Uhr Früh waren wir zur Startwiese (gleich beim Hotel) bestellt. Dort sollte also unser Abenteuer beginnen. 


Samstag, 12. Februar 2022

Jón Kalman Stefánsson: Ástas Geschichte ★★★★☆

Jón Kalman Stefánsson: Ástas Geschichte  ★★★★☆


Cover: Piper

In seinen Romanen "Fische haben keine Beine" und "Etwas von der Größe des Universums" bezeichnet der Autor Aris Mutter als "das wilde Fohlen"; und meint damit eine selbstbewusste Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht und die in Island zur Zeit, in der diese Romane spielen, einfach außergewöhnlich und bis dato unbekannt waren.

In diesem Roman stellt Jón Kalman Stefánsson gleich zwei solche wilde Fohlen vor: Helga und Asta, Mutter und Tochter. Und wie er das sprachlich wieder hinbekommt ist schon ganz große Klasse!


Donnerstag, 27. Januar 2022

Clemens J. Setz: Die Bienen und das Unsichtbare ★★★★☆

Clemens J. Setz: Die Bienen und das Unsichtbare  ★★★★☆


Cover: Suhrkamp

Wo soll ich eigentlich anfangen? Das Buch ist so voller Inhalt!

Naja, vielleicht mit dem Titel. Der ist vollkommen nichtssagend und irreführend; gleiches gilt für das Coverfoto. Wenn man nur den Titel des Buches kennt, kommt man nie im Leben drauf, worum es darin geht.

Der Grazer Autor Clemens J. Setz (Hut ab! Büchnerpreisträger 2021, und das im zarten Alter von 39!) behandelt darin Plansprachen; also keine gewachsenen Sprachen, sondern solche, die von Menschen erfunden, also geplant, wurden. Und da gibt es gar nicht so wenige! Einige bekanntere Beispiele wären etwa Volapük und Esperanto. Clemens J. Setz hat 6 (!) Jahre Arbeit in dieses Buch investiert! Herausgekommen ist ein wirklich umfassendes, sehr liebevolles und stellenweise witziges Werk zu diesem Thema! Neben Plansprachen widmet der sich aber auch noch anderen "Sprachen" wie etwa Glossolalie oder Grammelot. Mehr dazu folgt gleich; zu Gebärdensprache, Grammelot und Glossolalie hab ich auch Videos eingebettet!


Montag, 24. Januar 2022

Egyd Gstättner: Klagenfurt ★★★★☆

 Egyd Gstättner: Klagenfurt  ★★★★☆



Kein Cover verfügbar


Ich glaube, ich muss Abbitte leisten.

Vor mehr als 40 Jahren besuchten wir zum ersten Mal Klagenfurt; und unser Eindruck war – wie soll ich sagen – nicht gerade positiv. Die Freunde Klagenfurts mögen uns verzeihen, aber unsere Assoziationen waren eher: Ödnis, Provinznest, tote Hose, im Vergleich dazu ist ja Krähwinkel eine Metropole – so was in der Art. Deshalb war dieser erste Besuch bis jetzt auch unser letzter.

Aber Egyd Gstättner hat's wieder gutgemacht! In seinem Stadtführer präsentiert er im Zuge zweier Spaziergänge alles, was Klagenfurt zu bieten hat. Und das ist gar nicht so wenig. Als gebürtiger Klagenfurter, der auch immer noch in dieser Stadt lebt, hat er natürlich zu jedem Haus, zu jeder Gedenktafel, zu jedem Baum eine Geschichte parat. 

Und diese Geschichten bringt er so informativ und witzig, dass ich einen weiteren Besuch wohl ins Auge fassen werde.


Dienstag, 11. Januar 2022

Ismail Kadare: Geboren aus Stein ★★★★☆

Ismail Kadare: Geboren aus Stein  ★★★★☆


Cover: Fischer

Innerhalb kürzester Zeit hab ich jetzt drei verschiedene, mir bis dahin unbekannte, Kulturkreise kennengelernt. Nach Kenia und kanadischen First Nations nun also Albanien. Ist von uns nicht gar so weit entfernt, dennoch völlig unbekannt. Bei uns gilt es als das Land der wilden Skipetaren, bei denen Familienclans seit Jahrhunderten in Blutfehde liegen und bei denen Frauen eine männliche Identität annehmen, um geschäftsfähig oder Familienoberhaupt sein zu können.

Höchste Zeit also, etwas Licht ins Dunkel zu bringen, und das möglichst durch einen Einheimischen. Ich hab keine Ahnung mehr wie, aber irgendwie bin ich dann doch auf Ismail Kadare gestoßen. Geboren 1936 hat er inzwischen zahlreiche Romane veröffentlicht, für die er auch schon vielfach ausgezeichnet wurde. In mehr als 30 Sprachen übersetzt gilt er seit Jahren als ewiger Anwärter auf den Literaturnobelpreis.

All das wusste ich bis vor wenigen Tagen noch nicht. Aber besser spät als nie. Denn mit diesen autobiografischen Schriften gelingt es ihm ganz ausgezeichnet und auf humorvolle Weise, uns die albanische Seele näher zu bringen!


Freitag, 31. Dezember 2021

Joshua Whitehead: Jonny Appleseed ★★★★☆

Joshua Whitehead: Jonny Appleseed  ★★★★☆


Kein Cover verfügbar

Joshua Whitehead (hier ein Link zu seiner eigenen Homepage) ist wie der Protagonist seines Romans ein NDN. Jonny Appleseed, so dessen Name, wusste bereits im Alter von acht Jahren, dass er ein Two-Spirit und schwul war. Das Leben im Reservat der Peguis (treaty one-Gebiet) wurde ihm unmöglich, daher zog er vor einiger Zeit in den Norden der Provinzhauptstadt Winnipeg (Provinz Manitoba). Dort hält er sich als Stricher so recht und schlecht über Wasser, aber die Lebenssituation ist insgesamt mehr als prekär.

Allen, denen die oben genannten Begriffe so gar nichts sagen, geht es so wie mir. Aber im Laufe der Zeit wächst man in diese Sprache und Begrifflichkeiten hinein.


Ngũgĩ wa Thiong’o: Träume in Zeiten des Krieges. Eine Kindheit ★★★★☆

Ngũgĩ wa Thiong’o: Träume in Zeiten des Krieges.  ★★★★☆


Cover: Fischer


Ngũgĩ wa Thiong’o (besser und ausführlicher ist der englische Artikel) ist seit Jahren einer der ewigen Anwärter auf den Literaturnobelpreis, wurde bis jetzt aber leider übersehen. Bob Dylan – äh, wer war eigentlich heuer? – war aber anscheinend wichtiger. Naja, meine persönliche Sicht halt.

Jedenfalls steht sein Roman "Herr der Krähen" schon lange auf meiner Liste. Aber ehrlich gesagt, einen Schmöker von beinahe 1000 Seiten für einen mir bis jetzt unbekannten Autor wollte ich auch nicht  riskieren. Also hab ich mich nach anderen Werken umgesehen und bin bei diesem Buch hängen geblieben.

Der Autor, 1938 in Kenia geboren, hat es geschafft, sich aus einfachsten Verhältnissen herauszuwurschteln und eine eindrucksvolle Karriere als Akademiker hinzulegen! Der Weg bis dorthin war alles andere als einfach und wurde vor allem via Bildung geebnet.

Auf diesem Weg lagen aber zahlreiche Steine; etwa alte Traditionen, Leben in einer britischen Kolonie, Befreiungskämpfe, Unabhängigkeit und gleich darauf Abgleiten in eine Autokratie, verbunden mit Gefängnisaufenthalt und Exil.

Das Buch beschränkt sich auf seine frühe Kindheit bis zur mehrtägigen Aufnahmsprüfung in eine höhere Schule. Besonders interessant fand ich aber die "Begleitmusik" dieser Zeit. Die Lebensumstände einer mir völlig unbekannten Gesellschaft werden hier wirklich sehr eindrucksvoll beschrieben!