Sonntag, 25. April 2021

Robert Seethaler: Der letzte Satz ★★★★☆

Robert Seethaler: Der letzte Satz  ★★★★☆


Cover: Hanser

Eine Biografie über Gustav Mahler – wieder einmal, könnte man sagen. Dass es in der Version von Robert Seethaler nicht sehr tiefschürfend würde, ist allein schon vom Umfang des Buches erwartbar; auf knapp über 100 Seiten kann es nicht mehr werden.

Dennoch hab ich hier vier Sterne vergeben. Wie das?

Freitag, 2. April 2021

Olga Tokarczuk: Ur und andere Zeiten ★★★☆☆

 Olga Tokarczuk: Ur und andere Zeiten  ★★★☆☆


kein Cover verfügbar


Olga Tokarczuk wurde 2019 (für 2018, dem Jahr, in dem der Preis nicht vergeben wurde) mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Mir war diese Autorin bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt. Aber so eine Preisverleihung ist immer ein guter Anlass, mal jemand Neuen kennenzulernen.

Doch das Kennenlernen war schwieriger als gedacht.

Samstag, 13. März 2021

WhatsApp oder ...? WhatsApp!

Vor zwei Monaten kündigte WhatsApp (WA) an, seine Datenschutzbestimmungen dahingehend zu ändern, dass in Zukunft nicht nur die Kontakte eines Anwenders, sondern auch die Metadaten jeder einzelnen Nachricht an Facebook (FB) übermittelt werden.

In Relation zur Zahl der Anwender von WA setzte eine vergleichsweise winzige Absetzbewegung ein: Weg von WA hin zu Signal. Auch bei mir trudelten zahlreiche Einladungen ein, doch bitte zu Signal zu wechseln.

Ich war dem nicht abgeneigt und hab mich eingehender mit Signal bzw. dem Vergleich von WA und Signal gewidmet – ich hab damals ausführlich darüber berichtet.

Jetzt, zwei Monate später, macht sich allerdings Ernüchterung breit, und der Schwung zu wechseln, ist verpufft. Von den vielen, die damals wechseln wollten, ist kaum jemand bei Signal geblieben. Dafür gibt es mehrere Gründe.




Dienstag, 2. März 2021

Jaroslav Rudiš: Winterbergs letzte Reise ★★★★☆

 Jaroslav Rudiš: Winterbergs letzte Reise  ★★★★☆


Cover: Luchterhand


Jan Kraus lebt in Berlin und ist Altenpfleger. Seine Schützlinge betrachtet er als "Matrosen, die von ihrer letzten Überfahrt nicht mehr zurückkehren".

Sein nächster Matrose ist Welzel Winterberg, und dem geht es wirklich nicht gut. Er ist 99 Jahre alt und döst nach mehreren schweren Schlaganfällen in seinem Bett vor sich hin. Jan Kraus macht das, was er in solchen Fällen immer macht: Er liest seinem Matrosen aus seinem uralten Duden vor und wartet auf Reaktionen. Im Fall von Winterberg äußerst erfolgreich! So erfolgreich, dass der alte Herr komplett wiederhergestellt und voller Tatendrang ist!

Er hat noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen. 1938 musste er sich zwangsweise von seiner großen Liebe Lenka Morgenstern trennen. Auf dem Bahnhof der tschechischen Stadt Reichenberg (Liberec) sah er sie zum letzten Mal. Sie machte sich auf die Reise nach Palästina, er wurde kurz darauf in die Wehrmacht eingezogen.

Lenka schickte von jeder größeren Station eine Ansichtskarte an ihren Wenzel in Reichenberg; aus Sarajewo kam die letzte, danach folgte keine mehr. Winterberg ist überzeugt davon, dass Lenka in Sarajewo ermordert wurde. Und er muss den Mörder finden, fast 80 Jahre danach.

Und so machen sich der alte Mann und sein Pfleger auf die Reise quer durch Mittel- und Südeuropa. Per Bahn, wohlgemerkt, denn erstens fährt Herr Winterberg nur sehr ungern mit dem Auto und außerdem ist er in Sachen Eisenbahn ein absoluter Experte!

Begleiten wir also die beiden auf einer irren, melancholischen, witzigen, detailreichen, historiengetränkten, nervenaufreibenden, architekturreichen, politischen Fahrt mit der Bahn!

Mittwoch, 10. Februar 2021

Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand ★★★★☆

Wolfgang Schorlau: Die schützende Hand  ★★★★☆


Cover: Kiepenheuer & Witsch

Ein Krimi schafft es selten in diese Rubrik. Wobei: Ist das überhaupt ein Krimi? Ist es eine Doku? Wohl beides, wobei es dem Autor Wolfgang Schorlau wahrscheinlich eher um Zweiteres geht.

Wie schon in seinen früheren Büchern mit dem Privatdetektiv Georg Dengler nimmt er sich auch hier ein Geschehnis der Vergangenheit her, bei dem nicht alle Fragen restlos geklärt wurden. Diese Lücken füllt er dann entweder mit Ergebnissen eigener Nachforschungen oder – wenn das nicht möglich ist – mit Fiktion. Getreu seinem Motto: "Finden und erfinden".

In diesem Buch nimmt er sich den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) vor. Nach etlichen parlamentarischen Untersuchungsausschüssen und einem jahrelangen Prozess sind immer noch Fragen offen. Ja, es gibt ein Urteil für Beate Zschäpe; Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sind tot. Aber sonst klafft dieser Fall mit seinen zahlreichen Fragen wie eine offene Wunde in der jüngsten deutschen Geschichte.

Wolfgang Schorlau behandelt viele dieser Fragen in diesem Buch, besonders konzentriert er sich aber auf diese eine:

Stimmt die offizielle Version, dass nach einem Banküberfall die beiden Uwes in einem Wohnmobil Selbstmord begingen und vorher noch dieses Wohnmobil in Brand steckten?

Ich greife vor. Meiner Meinung nach gelingt ihm sehr überzeugend, diese Frage verneinen zu können. Dennoch bleibt auch nach zahlreichen Untersuchungen die offizielle Darstellung dabei, dass es genau so geschehen ist, wie oben beschrieben.

Ich neige nicht zu Verschwörungstheorien, aber dass es hier noch Aufklärungsbedarf gibt, steht für mich fest.

Freitag, 29. Januar 2021

Hans Rosling: Factfulness ★★★★★

Hans Rosling gemeinsam mit Anna Rosling Rönnlund und Ola Rosling

Hans Rosling: Factfulness  ★★★★★


Cover: Ullstein


Nach "Die Ordnung der Welt" wieder einmal ein Buch, das meinen Horizont erweitert hat wie sonst kaum eines davor. Auch hier würde ich gerne wieder sechs/sieben/acht Sterne vergeben, wenn meine Skala das zulassen würde.

Hans Rosling (leider 2017 verstorben) gelingt es mit seinem ausgezeichneten didaktischen Talent die Sicht auf die Welt wieder gerade zu rücken. Bei unzähligen Vorträgen in der ganzen Welt und vor unterschiedlichstem Publikum (von Studenten bis zur UNO und den Mächtigen der Welt in Davos) musste er immer wieder das Gleiche feststellen: Der Großteil des Publikums hängt veralteten Vorstellungen der Welt an. Er stellt dabei die immer gleichen 12 Fragen, auf die er immer die gleichen falschen (weil alten) Antworten bekommt.

Anhand dieser 12 Fragen ist nun dieses Buch aufgebaut, indem er in jedem Kapitel auf eine dieser Fragen eingeht. Wie er das macht und was er da bringt, hat mich echt umgehauen! Ich hoffe, es gelingt mir, meine Begeisterung dafür in diesem Post rüberzubringen!

Montag, 18. Januar 2021

WhatsApp oder was?

WhatsApp hat angekündigt, seine Datenschutzbestimmungen ändern zu wollen. Man musste als Anwender diese Änderung abnicken, oder man war raus aus WhatsApp. Wirksam sollten diese Änderungen per 8.2.2021 werden; inzwischen hat das Unternehmen den Termin aber um drei Monate nach hinten verschoben.

WhatsApp (WA) ist ein Unternehmen der Facebook-Gruppe (FB); und wenn in dieser Ecke irgendwelche Änderungen am Datenschutz anstehen, schrillen bei datenbewussten Leuten sämtliche Alarmglocken – zu schlecht sind da die Erfahrungen aus den letzten Jahren.

So auch diesmal. Aber diesmal schrillen die Glocken so laut, dass viele – wirklich viele – Anwender ernsthaft überlegen, WA zu verlassen und einen anderen Messenger zu verwenden.

Aber welchen? Im Wesentlichen sind diese drei Anwendungen Kandidaten dafür: Threema, Telegram und  Signal.

Wobei vor allem Signal durch zwei Tatsachen einen ungeheuren Schub bekommen hat. Erstens ist er der erklärte Favorit von Edward Snowden; sicherlich jemand, dem Datenschutz und Verschlüsselung äußerst wichtig sind. Und vor ein paar Tagen hat Elon Musk auf Twitter schlicht dazu aufgerufen, Signal zu verwenden. Viele weitere Experten raten zu einem Umzug.

Also Signal. Ich hab selbst natürlich auch mit dem Gedanken gespielt, zu Signal zu wechseln. Ich hab ihn seit etlichen Jahren installiert, aber praktisch nicht verwendet; es war dort einfach zu einsam, das wirkliche Leben spielte sich in WA ab. Aber was mich besonders überrascht (und gefreut) hat: Viele Anwender in meinem Umkreis haben ebenfalls vor, zu Signal zu wechseln – und zwar wesentlich mehr, als ich mir das hätte träumen lassen!

Aber worauf lassen wir uns da ein, falls wir uns darauf einlassen? Welche Vor- und Nachteile gibt es im Vergleich von WA und Signal? Und wie schaffen wir es, unser gesamtes Sozio-Umfeld in Richtung Signal zu bewegen?

Diesen Fragen möchte ich in diesem Post nachgehen. Keine Sorge, es wird nicht technisch, zumindest nicht sehr!




[2021-03-13 Update: Das Experiment "Übersiedlung zu Signal" ist gescheitert. Details siehe hier]