Die ersten beiden Jännerwochen verbrachten wir gemeinsam mit Gundi und Fritz auf
Kuba. Die erste Woche war einer Rundreise durch den westlichen Teil der Insel gewidmet, die zweite einem Strandurlaub in Varadero.
|
Die schon mehrfach bewährte Reisegesellschaft |
Bevor wir dorthin geflogen sind, haben wir uns schon so unsere Gedanken gemacht.
Einerseits sind Land und Leute einer ganz eigenartigen erstarrten Diktatur unterworfen; andererseits öffnet sich das Regime gerade ein wenig und hat vor allem die Touristen als Devisenbringer entdeckt. Durch diese künstliche Erstarrung und Verknappung sind die Menschen gezwungen, geistig flexibel zu bleiben, Ideen zum täglichen Überleben zu entwickeln, zu improvisieren und Güter des täglichen Bedarfes wie Autos, Kühlschränke, Häuser, Wohnungen etc. so lange es nur geht, am Leben zu erhalten. Und das können sie auch und das tun sie auch. Es tut einem in der Seele weh, wenn man sieht, wie viel Potential und Ideenreichtum in diesen Menschen steckt und man gleichzeitig zusehen muss, wie man sie dieses Potential nicht ausschöpfen lässt.
Seit etwa 1960 durften keine neuen Autos mehr importiert werden; dementsprechend wackelig und zerbrechlich sind diese alten Straßenkreuzer heute - aber sie fahren immer noch! Andererseits sind sie wahrscheinlich viele Millionen Dollars wert, sobald das Regime zusammenbricht.
Das oft gerühmte Gesundheitssystem ist hauptsächlich für die ärztliche
Ausbildung bekannt, weniger für die praktische
Anwendung, wiewohl die Gesundheitsversorgung flächendeckend und gratis ist. In den letzten Jahrzehnten hat Kuba zig-tausende Ärzte in andere Länder entsendet - gegen gutes Geld selbstverständlich. Auch eine Form von Devisengewinnung. In ein
kubanisches Krankenhaus möchte unsereiner allerdings nicht aufgenommen werden.
Der positive Kontrast dazu: die Schulbildung ist gratis und der Alphabetisierungsgrad praktisch 100%. Da sieht es in Mitteleuropa weit trauriger aus.
Wir wollten das Land sehen, noch bevor das Castro-Regime kracht. Zugegeben, das hat ein bisschen was von einem Sozialporno, denn die Bewohner dort sind ja nicht blöd und wissen natürlich selbst, in welch armem Land sie leben und fühlen sich gewissermaßen in die Auslage gestellt und als Objekt der Neugier. Es ist bestimmt nicht sehr lustig, in einem leeren Laden, in dem man seit 50 Jahren nur per Lebensmittelkarte etwas bekommt, von Touristen angestarrt zu werden. Andererseits: Nach einem Regimewechsel wird kein Stein auf dem anderen bleiben und die alten Verhältnisse wie vor der Revolution werden wiederhergestellt; das ist jedenfalls meine Befürchtung und Überzeugung und Prognose. Auch keine schönen Aussichten.
Mir sind diese Überlegungen und Vorbemerkungen wichtig, denn sie werden uns vor allem auf den Fotos immer wieder in Erinnerung gerufen werden. Wenn dort wackelige, mit Klebeband zusammen gehaltene Fahrräder erscheinen, mag das auf den ersten Blick vielleicht lustig und nett sein; aber man sollte eben nie vergessen, dass die Menschen dort in einer (künstlich aufrecht erhaltenen) Mangelgesellschaft leben. Der Besitzer dieses Fahrrades ist sicherlich mächtig stolz auf sein Gefährt; und es hat ihn wahrscheinlich viel Aufwand und Beziehungsarbeit und Bestechungsgeld gekostet, um an Klebeband heran zu kommen!
* * * * * * *
So, jetzt aber zur eigentlichen Reise!
Die Karte zeigt die Stationen, die wir angesteuert haben.
Ich werde in diesem Post nicht alle Fotos einbinden (können), dafür sind es zu viele. Ich stelle daher diesmal
das komplette Fotoalbum zur Verfügung, in dem alle Fotos dieses Posts enthalten sind - aber eben noch etliche mehr. Im Album sieht man außerdem bei jedem Foto eine Karte, die zeigt, wo es entstanden ist. [Ich kann auch eine
Bedienungsanleitung für den Album-Betrachter anbieten.]
Das ist übrigens ein Reisebericht, der erst nachträglich veröffentlicht wird,
weil es zum Zeitpunkt der Reise diesen Blog noch gar nicht gab.
Montag, 3. Jänner 2011
Für den langen Flug wollten wir uns was gönnen, zumindest ein bisschen was. Wir haben daher zwei Plätze Business Class gebucht und zwei in der Economy. Der Plan war, dass die Herren in der Business Class beginnen und zur Halbzeit mit den Damen tauschen. So sollten alle ein wenig Beinfreiheit genießen können. Der Plan war gut, er war aber leider ohne das Bordpersonal gemacht. Ein Tausch während des Fluges kam überhaupt nicht in Frage! Diskussion beendet, Vorhang geschlossen! So mussten wir eben kurzfristig umdisponieren, sodass die Herren den gesamten Hinflug und die Damen den gesamten Rückflug in der Business Class verbringen werden.
Nach Ankunft in Varadero ging es per Bus in unser Hotel in Havanna. Und sehr viel mehr passierte an diesem Tag nicht mehr - nach einem derart langen Flug.
Dienstag, 4. Jänner 2011
Der erste Blick aus dem Fenster gab uns gleich einmal einen deutlichen Vergleich: hier das Hotel, in das ausschließlich zahlungskräftige Touristen kommen, das aber mit dem restlichen "realen" Kuba überhaupt nichts zu tun hat.
|
Dort die Unterkunft für die Kubaner |
Nach dem Frühstück machten wir per Bus eine kleine Rundfahrt durch
Havanna, legten aber an etlichen Punkten der Stadt einen Halt ein.
Zunächst am wirklich riesigen
Platz der Revolution mit seinem überragenden
Denkmal für den Kubanischen Nationaldichter
José Martí. Dieses Denkmal wurde übrigens bereits in der
Batista-Zeit errichtet!
|
Denkmal für den Nationaldichter: fünfeckiger Grundriss, über 100m hoch, davor eine - "seine" - Statue |
|
Ché mit seinem Slogan "Bis zum ewigen Sieg" |
Wofür ist Kuba hauptsächlich bekannt? Richtig, für
Rum und Zigarren! Nächste Station war also eine Rumfabrik mit anschließender Gelegenheit, Zigarren zu kaufen.
|
Rumfässer bis an die Decke |
|
Der Herr links erzählte uns alles zum Thema Rum und seine Herstellung. Rechts unser Reiseführer René |
|
Kleine Showeinlage mit Rum |
|
Zigarren für alle Geschmäcker und Brieftaschen |
Danach fuhren wir mit dem Bus zur Plaza de Armas und gingen von dort aus zu Fuß durch die Stadt. Der Spaziergang führte uns durch die "Obispo" (Straße des Bischofs) bis zum "El Floridita", zur Kathedrale, zum Kapitol und zur Plaza Vieja (Alter Platz).
|
Auffallend: Die Geschäfte sind zwar offen, innen aber ziemlich dunkel, weil unbeleuchtet! |
|
Nein, das war nicht unser Bus! Der ist für die Einheimischen! |
|
La Giraldilla. Diese Wetterfahne auf einer Kuppel der Festung ist das inoffizielle Wahrzeichen Havannas |
|
Plaza de Armas |
|
Laden, in dem Waren per Lebensmittelkarte bezogen werden können. |
|
Plaza Vieja |
|
Die Kubaner sind Improvisationskünstler - notgedrungen |
|
Die Fassaden stützen einander gegenseitig |
|
Dieser private Gemüseladen bietet wesentlich mehr als der staatliche. Allerdings für normale Kubaner praktisch unerschwinglich. |
|
Alles da. |
|
Kathedrale |
|
Mit so einem Taxi sind wir am Abend dann ins Hotel zurück gefahren |
|
Straßenverkauf in der Obispo. |
|
Am Ende der Obispo: El Floridita, die Lieblingsbar Hemingways |
|
Und nur einmal um die Ecke, gleicher Häuserblock wie das El Floridita |
|
Ein Bastler am Werk |
|
Die Ähnlichkeit des Kapitols mit dem in Washington ist kein Zufall! |
|
Das Schild ist schon etwas verblasst, aber es zeigt an, dass in diesem Haus der Revolutionswächter dieses Häuserblocks wohnt |
|
Das Kapitol in Washington war Vorlage für das in Havanna |
Der weitere Tag war dann
Ernest Hemingway gewidmet. Der berühmte Schriftsteller, Kriegsreporter und Jäger hatte auf Kuba seine Wahlheimat gefunden. Etwas außerhalb von Havanna hatte er ein Landhaus (die Finca Vigía) und an der Küste in
Cojímar sein Lieblingslokal, in dem er sich gelegentlich auch mit Fidel und Raúl traf. Die Finca ist heute ein Museum: der Zugang bis zum Haus ist möglich, der Eintritt ins Haus selbst aber nicht. Dafür sind sämtliche Türen und Fenster geöffnet, sodass man freien Blick ins Innere hat.
|
Ja, Hemingway war auch Großwildjäger! |
|
Noch ein Blick ins Innere des Hauses |
|
Im Park rund um das Haus trifft man auch auf die Gräber seiner Hunde! |
|
Berühmte Gäste des Lokals: Fidel und Ernest
Wir hatten dort immerhin unser Mittagessen! |
|
Ganz in der Nähe des Lokals in Cojímar findet man auch ein Hemingway-Denkmal |
Ein sehr ereignisreicher Tag geht zu Ende. Wir fahren zurück ins Hotel und packen die Koffer. Morgen geht's nach Westen ins Tabakland: Pinar del Río und Viñales.
Ende Teil 1. Fortsetzung folgt in
Teil 2
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen